Viel Spaß am Paul-Lincke-Ufer

Am Ende des Tages gab es eine berührende Auszeichnung für alle, die mitgemacht hatten, die Dankesworte eines Flüchtlings: „Ich bin seit elf Tagen in Berlin, das heute war mein erster wirklich schöner Tag.“

Nicht um Geld- oder Sachpreise war es am 20. September bei dem Turnier gegangen, zu dem die drei Kreuzberger Boules-Vereine – 1. BCK, Linckebouler und Bouledozer – und der Landes-Petanque-Verband Berlin an das Paul-Lincke-Ufer eingeladen hatten. Alle Startgelder und Überschüsse aus dem Getränkeverkauf, insgesamt 150 Euro* + 100 Euro Spende der Lincke-Bouler, gehen an Projekte der Flüchtlingshilfe (Fahradwerkstatt in der Notunterkunft Karlshorst). Vor allem aber sollte mit diesem Turnier noch etwas anderes gespendet werden: Zeit, Aufmerksamkeit und Ablenkung für einige der vielen, die ihre Flucht aus Kriegs- und Krisengebieten glücklich überstanden haben, deren neue „Heimat“ zunächst aber kaum mehr als eine unpersönliche und freudenarme Massenunterkunft ist.

Beworben wurde das Turnier in Erstaufnahmeeinrichtungen in Kreuzberg, Neukölln und Moabit. Vereinsmitglieder holten die Flüchtlinge dort ab und begleiteten sie am Ende des Tages auch zurück. Gespielt wurde in gemischten Triplettes: Je zwei Berliner Spieler(inn)en bekamen einen Flüchtling in ihr Team. Für offenbar alle von ihnen war es die erste Begegnung mit diesem Spiel. Nach anfänglicher Einübung – Kida, Kader und Tom aus Schöneberg sorgten für arabische Erläuterungen – entwickelte sich bald nicht nur Spaß, sondern auch kämpferische Leidenschaft bei den Boules-Novizen. Die drei Vorrunden wurden durch zwei Finalspiele beschlossen: Das A-Turnier (drei Siege in den Vorrunden) gewannen Birgit P., Martin B. und Amir gegen Susanne W., Uwe M. und Sergio. Das B-Turnier (folgend beste Punkte-Differenz in den Vorrunden) gewannen Kader, Lokman und Hayad gegen Norbert S.B., Michael L. und Awel. Zum gelungenen Tag trug nicht zuletzt das gewohnt köstliche Catering von Moni und Rainer bei, ergänzt durch individuell mitgebrachte Salate und Kuchen.

Leider nähern sich die warmen Tage nun ihrem Ende, so dass ein weiteres Turnier solcher Art in diesem Jahr sehr unwahrscheinlich ist. Aber einige der Flüchtlinge haben gesagt, sie wollen gerne wiederkommen. Alle, die in Kreuzberg Boules spielen, sind daher gebeten, herzlich zum Mitmachen einzuladen, wenn jemand vielleicht noch etwas zurückhaltend am Rand des Boulodromes steht… Angeboten haben wir: mittwochs ab 16 Uhr.

Ein Dank geht auch nach Charlottenburg: Bei dem für den 20. September schon länger terminierten „Kartoffelturnier“ flossen in Anlehnung an das parallel stattfindende Solidaritätsturnier in Kreuzberg ebenfalls alle Startgelder in einen Topf für Flüchtlingsprojekte. Dort kamen ca. 270 Euro zusammen.

jrs/Fotos Tino (unter www.boulebilderberlin.de gibt es noch mehr tolle Bilder von Tino)

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Hier ein Bericht bei TV Berlin ca. ab Minute 5:30

* Die ursprünglich hier veröffentlichten 520 Euro waren Bruttoeinnahmen.